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Bevor wir unsere Reise begonnen haben, war uns eines klar: Wir wollen unabhängig reisen. Das heißt wir möchten nicht ständig auf der Suche nach einer Steckdose sein. Denn sonst würden wir zwangsweise sehr oft auf Campingplätzen landen –  und nicht an schönen Orten in der Natur. Klar, einige Stellplätze bieten Stromanschluss – meist kostenpflichtig. In der Natur, bzw. an inoffiziellen Plätzen findet man (fast) nie eine Steckdose.

Woher also den Strom nehmen?


Unser Wohnwagen hat beim Kauf den Strom für Licht, Wasserpumpe, Kühlschrank und die genutzten Geräte entweder über eine externe Einspeisung (“Landstrom”), oder über den Anhänger-Stecker vom Zugfahrzeug bezogen. Die 12 Volt Dauerplus-Leitung habe ich am Zugfahrzeug noch extra verlegen dürfen! Da die Batterie – korrekterweise Akku – vom Zugfahrzeug nicht unendlich ist und bitte beim nächsten Anlassen reichen soll, war uns klar: Eine Solaranlage muss her.

Aber was brauche ich dafür?

Diese Frage war zunächst zu klären. Im Internet sind schnell einige Anleitungen gefunden. In unseren Fall waren alle relevanten Verbraucher im Wohnwagen auf 12 Volt Betrieb ausgelegt und wurden bei Landstrom-Anbindung über einen Trafo in einem Staukasten “beliefert”. Nach den Recherchen war klar, was benötigt wird:

  • Ein Akku: der Strom kommt fortan hieraus, anstatt aus dem Trafo
  • Solarmodule bzw. Solargeneratoren, oder umgangssprachlich Solarzellen: Sie liefern die Energie, um den Akku tagsüber wieder aufzufüllen
  • Ein Solar-Laderegler: Um die Batterie nicht zu überladen und “die Ströme” im Überblick zu behalten.
  • Material und Kabel, um alles miteinander und mit dem bestehenden Netz zu verbinden.

Dies ist die Grundausrüstung. Weiter wollten wir die Sicherheit, dass der Akku auch per Landstrom gefüllt werden kann, wenn die Sonne nicht ausreicht und dass wir auch konventionelle 230 Volt-Geräte wie Mixer und Rasierer betreiben können. Also kamen noch zwei Geräte auf die Einkaufsliste:

  • Automatikladegerät
  • Wechselrichter
Überblick-Komponenten-Solaranlage

Überblicküber die Komponenten unsere Solaranlage

Jetzt kam aber eine viel kompliziertere Frage auf:

Wie “groß” müssen die einzelnen Geräte sein?

Diese Frage ließ sich nicht auf den vielen Verkaufsseiten klären. Da waren wenn überhaupt schwammige Formulierungen zu finden, wie “Wenn Sie auch mal Ihr Laptop laden möchten!” Wie oft und wie lange “mal” bedeutet und was sonst noch an Verbrauch eingerechnet ist, stand da natürlich nicht. Damit wollte ich mich nicht abfinden.

Durch Zufall bin ich auf eine in meinen Augen gute Zusammenfassung des theoretischen Wissens rund um die Dimensionierung und die Auswahl der benötigten Komponenten gestoßen. Die Anleitung umfasste ca. 35 Seiten und ist als Elektrik-/Physik-Laie im Detail nur schwer verständlich. Da kamen mir mein Wissen aus dem Physik-LK und der Ausbildung zugute. Zusammengefasst kommt es bei der Dimensionierung der Solar- bzw. Autarkanlage auf folgende Faktoren an:

  • Wie viel Energie wird täglich verbraucht?
  • Zu welcher Jahreszeit bin ich unterwegs?
  • Wo bin ich unterwegs?

Als ich mir die Fragen eingehender im Kopf beantwortet habe, viel mir schnell auf, dass sie stark miteinander in Beziehung stehen. Im Herbst wird deutlich mehr Energie verbraucht als im Sommer: Die Lüftung der Heizung läuft von Zeit zu Zeit (sonst gibt’s Kondenswasser), das Licht ist deutlich länger an. Man ist allgemein mehr “drinnen” und potentiell steigt auch der Medienkonsum.

Von der Jahreszeit ist auch die zu erwartende Sonnenenergie, die Globalstrahlung, abhängig: Im Winter scheint die Sonne deutlich kürzer und dazu auch noch Flacher auf die Erde (und somit auch auf die Module) als im Sommer. Durch die flache Einstrahlung wird der Sonnenschein durch die Atmosphäre stärker “ausgedünnt”. Dies ist natürlich vom Standort abhängig: Um so weiter südlich ich mich befinde, um so mehr Sonnenenergie darf ich erwarten! Und das zu jeder Jahreszeit. Es kommen aber noch Faktoren, wie bspw. die Bewölkung hinzu. Zu der Thematik komme ich weiter unten im Artikel noch.

EU-Globalstrahlung

Heatmap zur Globalstrahlung in Europa – Quelle: Europäische Union

Ich bin also an die Arbeit gegangen, und habe den Energieverbraucher untersucht:

  • Wie lange ist das Licht, die Wasserpumpe, die Lüftung an?
  • Wie wird “Energie” eigentlich gemessen?
  • Und wie viel Energie verbrauchen die Verbraucher denn nun?

Diese Fragen möcht ich kurz klären. Die Verbraucher bei uns im Wohnwagen werden mit 12 Volt Spannung betrieben. Die Spannung kann man sich wie den Druck in einer Wasserleitung vorstellen. Wenn ein Verbraucher eingeschaltet wird, fließt ein Strom, gemessen in Amper. Bei der Wasserleitung ist das mit der Durchflussmenge zu vergleichen. Kleine Verbraucher verbrauchen nur wenig Strom, das “Wasser” tröpfelt nur, Große Verbraucher machen quasi die Schotten auf. Strom (Amper) mit der Spannung (Volt) multipliziert ergibt die Leistung in Watt – kennen wir (noch) alle von der Glühbirne. In unserem Wohnwagen sind diverse 10 Watt Glühbirnen verbaut. Eine Glühbirne verbraucht also etwas über 0,8 Amper bei den gegeben 12 Volt Betriebsspannung.

12 Volt * 0,8 Ampere ≈ 10 Watt

Wenn sie nun eine Stunde an ist, verbraucht sie also 0,8 Amperstunden (Ah). Und diese Amperstunden sind es, die ermittelt werden müssen. Sie Stehen auch auf dem Akku. Das gibt an, wieviel Energie geliefert werden kann. Einer dieser Werte ist auf jedem Verbraucher zu finden: Entweder die Leistung in Watt oder der genutzte Strom (bei gegebener Spannung). Auf dem Smartphone-Ladegerät steht gerne mal sowas wie ”2 A, 5V” das sind dann 10 Watt Leistung, auf 12 Volt Betriebsspannung kann man also von 0,8 Amper sprechen. Auf dem Laptop-Netzteil steht 65 Watt: ca. 5,4 Amper bei 12 Volt. So habe ich alle Verbraucher untersucht und in einer Tabelle mit Nutzungszeiten versehen. Gerechnet habe ich damals mit Betriebszeiten, wie ich sie für Herbstmonate in Deutschland geschätzt habe. Der Gedanke war, dass der Winter im Süden ja wohl maximal so kalt und lichtarm wie im Herbst in Deutschland sein dürfte. Für den Spätherbst war eine Ferienwohnung inkl. Geburt geplant und danach sollte es direkt in den Süden gehen. Die Annahmen haben dann auch annähernd gepasst ;)

Nachdem ich die Tabelle das erste mal komplett ausgefüllt hatte, war klar: Das Licht ist voll der Stromfresser! LEDs müssen her! Diese waren damals noch nicht so verbreitet wie heute – im Wohnmobil- und Caravan-Bereich erst recht nicht. Hier ist die Tabelle unter Einberechnung von LED-Beleuchtung:

Verbraucher Leistung Stromaufnahme (Leistung / 12 V) Betriebszeit Energie- bedarf (Ah)
Beleuchtung 7 W 0,58 A 6 h 3,48 Ah
Wasserpumpe 3,2 A 1/4 h 0,8 Ah
Trumavent (Umwälzlüftung der Heizung) 1 A 12 h 12 Ah
Smartphone-Ladegerät 5 W 0,42 A 2 h 0,84 Ah
Mobilfunkrouter 10 W 0,83 A 6 h 4,95 Ah
Laptop 65 W 5,42 A 2 h 10,84 Ah
Gesamtbedarf: 32,91 Ah

Der Rest war nur noch die Kür: Der tägliche Verbrauch musste von den Solarmodulen unter Berücksichtigung der zu erwartenden Globalstrahlung “eingefangen” werden. Die Globalstrahlung kann bspw. von der Europäischen Union bezogen werden:

http://re.jrc.ec.europa.eu/pvgis/apps4/pvest.php#

Die dort angegeben Globalstahlung sind durchschnittswerte über mehrere Jahre für jeweils einen Monat und dann pro Tag gerechnet (Durchschnitts-Globalstrahlung des Monats geteilt durch Anzahl Tage). Sie berücksichtigen die zu erwartende Bewölkung, die tatsächliche Globalstrahlung kann aber von Tag zu Tag stark und auf dem Monat gerechnet etwas abweichen. Hier muss der Akku als Pufferspeicher dienen.

Um die benötigte Modulleistung zu berechnen geht man wie folgt vor:

  • Ermittel über Tool der EU die minimal zu erwartende Globalstrahlung am Reisezielort auf Tagesebene in kwh (minimal = für den Reisemonat mit der geringsten Globalstrahlung)
  • Setze die ermittelte Globalstrahlung, den täglichen Energiebedarf und einen Verlustfaktor von 0,75 in folgende Formel ein:

Solarmodulleistung = täglicher Energiebedarf * 12 V / (Verlustfaktor * Tagesstrahlungsleistung des Zielortes)

Durch die Multiplikation mit 12 Volt wird der Energiebedarf von Amperstunden in Wattstunden umgerechnet. Der Verlustfaktor muss einberechnet werden, da die von den Solarmodulen “eingefangene” Energie durch Speicherung im Akku, die elektrischen Umwandlungen im System und die Temperatur der Solarmodule im Schnitt nur zu ¾ abrufbar ist. Der Rest verpufft größtenteils in Wärme.

In meinen Fall sind es also für Oldenburg im September:

Solarmodulleistung = 32,91 Ah * 12V / (0,75 * 2,95 kWh/m²d) = 178,5 Wp

Den Mathematikern unter euch fällt auf, dass die Rechnung mit den Einheiten nicht aufgeht. Dies liegt daran, dass in der Rechnung eigentlich noch die Umrechnung auf eine normierte Basis enthalten ist. Dieser liegt jedoch bei 1 (sofern man die Globalstrahlung in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Tag einsetzt; kWh/m²d), da die Werte der Globalstrahlung und die Leistungsangaben der Solarmodule eben auch auf diese Normierung basieren.

Hier habe ich ein kleines Tool geschrieben, welches die Berechnung durchführt:

Auswahl der Komponenten:

Der Akku musste nun so dimensioniert werden, dass auch mal ein paar Regentage mit geringen Energieertrag überbrückt werden können. Hier ist zu beachten, dass ein Akku nur bis zu einem bestimmten Grad “verbraucht” werden darf, da er sonst extrem schnell altert. Je nach Bauform sind das unterschiedliche Werte:

  • Normaler Flüssigakku (wie Starterbatterien und einfache Versorgerbatterien): ca. 50% der Nennkapazität dürfen entnommen werden
  • AGM- oder Vließakku: ca. 60% der Nennkapazität dürfen entnommen werden
  • Blei-Gel-Akku: ca. 85% der Nennkapazität dürfen entnommen werden
  • Lithium-Akku: Unbezahlbar, aber genial – für uns nicht leistbar; die entnehmbare Kapazität habe ich noch nicht herausgefunden, liegt aber schätzungsweise bei 80% bis 90%

Meine Recherchen haben damals ergeben, dass bei gegebener Netto-Kapazität (entnehmbare Kapazität) die Gewichte und Abmessungen der Akkutypen annähernd identisch sind. Ich habe mich für einen Gel-Akku entschieden:

  • Fast keine Gasung (Bei der Ladung von Akkus kann Knallgas entstehen => Elektrolyse),
  • es kann keine Säure austreten,
  • verkraftet gut Langzeit-(ent)-Ladungen und
  • verkraftet auch mal eine Tiefenentladung relativ gut.

Der Akku soll die Energie speichern, damit das Licht auch bei Lastspitzen und fehlender Sonneneinstrahlung (Schlechtwetter und Nachts) funktioniert. Die benötigte Kapazität hängt im Prinzip davon ab, wie viele Schlechtwettertage man überbrücken möchte. Wir haben uns damals für einen 140 Amperstunden-Gel-Akku* entschieden. Im Extremfall kann man ihn bis zu 90% entleeren, ohne ernsthafte bleibende Schäden zu verursachen, so dass eine Nettokapazität von 126 Ah übrig bleibt. bei 33 Ah Verbrauch pro Tag können wir damit also theoretisch ca. 3 Tage und eine Nacht auskommen. In Wohnmobilen sind oft schon Verbraucherakkus verbaut. Hier spart man bei einer Komplettanlage enorm, da der Akku der Kostentreiber ist.

Die Theorie hat der Praxis standgehalten: Der Praxiseinsatz hat gezeigt, dass die Rechnungen relativ gut funktionieren. Im ersten Jahr haben die Annahmen auch gut gepasst: Der Oktober (in Norddeutschand) war sonnig, wir hatten Zugriff auf Steckdosen bei Stellplätzen, Verwandten sowie Freunden. Die Geräte waren nicht wirklich länger als angenommen an. Ab November haben wir den Wohnwagen nicht mehr in Deutschland genutzt. Im zweiten Jahr sah es dann anders aus: Der Gerätepark und die Nutzungsdauer haben sich vergrößert und irgendwie haben wir es bis anfang Januar in Deutschland ausgehalten. Ab Oktober war da Energiesparen angesagt mit regelmäßigem Zwischenstopp an der Steckdose.

Nun wusste ich also was ich generell brauche und in welcher Leistungsklasse. Als Ladegerät kam noch ein passendes Noname-Automatikladegerät für den Akku in der Leistungsklasse hinzu und als Wechselrichter habe ich mich für ein 350 Watt Sinus-Wechselrichter von Fraron* entschieden: Den Mixer mit 250 Watt und notfalls auch das Laptop mit 65 Watt konnte er betreiben. Im Praxistest konnte es sogar meine 650 Watt Bormaschiene und eine 350 Watt Camping-Waschmaschine betreiben. :-)

Bei der Auswahl der Solarmodule ist auf die Abmessungen zu achten. Je nach Wirkungsgrad sind sie unterschiedlich. Es gibt polykristaline und monokristaline Zellen. Ersteren sind um ca. ⅓ größer als die monokristalinen Module und daher in der Regel fürs Wohnmobil und den Wohnwagen ungeeignet. Bei den Abmessungen musste ich aufpassen, da die Fenster und Aufbauten so verteilt sind, dass kaum eine größere rechteckige Fläche auf dem Dach frei war. Bei Wohnmobilen geht es oft noch enger zu! Bei uns sind es 2 100Wp monokristaline Module geworden (ähnlich dem hier* – das p bei Wp steht übrigens für Peak, also sind es 100 Watt Maximalleistung). Wenn man den Platz hat, kann man sich auch Solarmodule für den Einsatz auf Häusern anschauen. Je nach Solarladeregler und Modulspannung können sie kompatibel sein und man kann ggf. ein Schnäppchen finden! Bei flexiblen Modulen ist Vorsicht geboten: Sie erhitzen sich stärker, da sie nicht hinterlüftet sind und verlieren dadurch an Effizienz.

Beim Solarladeregler gibt es auch zwei Techniken: PWM und MPPT. Vereinfacht wird bei der ersten Variante der Ladestrom immer wieder kurz unterbrochen, um den Akku nicht durch Überspannung zu schädigen. Bei der MPPT-Technik sollen die Module im optimalen Leistungsbereich genutzt werden und die Ladespannung wird transformiert (vergleichbar mit einem Handy-Ladegerät: da kommen heute meist 5 Volt raus, die Steckdosen werden jedoch mit 230 Volt betrieben…). MPPT ist am Ende des Tages also etwas effizienter. Außerdem kann man die Solarmodule flexibler anschließen: Bei MPPT kann man sie oft auch in Reihe schalten. Weitere wichtige Funktionen des Ladereglers sind:

  • Batterieschutz vor Tiefenentladung und Überladung (unser Gerät schaltet die Verbraucher ab, wenn die Batterie fast leer ist. Am liebsten spät Abends kurz vorm ins Bett gehen ;)
  • Überwachungsfunktion: Unser Gerät kann den Ladezustand der Batterie, die Spannungen und den fließenden Strom anzeigen. Ohne dies betreibt man die Anlage im Blindflug.

Die benötigte Leistung des Ladereglers wird in Amper angegeben und gibt den maximalen Ladestrom an. Bei den bei uns verbauten 200 Wp Solarmodulen ergibt sich auf 12 Volt gerechnet ein maximaler Strom von 200W/12V = 16,7 Ampere. Um Reserven für ein zusätzliches Modul zu haben, habe ich mich für ein 30 A MPPT Laderegler* mit Fernbedinungs- und Überwachungsmodul entschieden.

Um alles einbauen und anschließen zu können, habe ich noch einiges an Montage-Material benötigt:

  • Halterungen* für die Module inkl. Edelstahlschrauben für die Module (theoretisch brauchen die Halterungen sogar eine allgemeine Betriebserlaubnis ABE. Willkommen in Deutschland! In der Praxis wird sich wohl kein Polizist monieren, sofern die Module vernünftig befestigt sind!)
  • PU-Montagekleber* um die Halterungen zu verkleben. Bei uns war es Sika 252 – bombenfest!
  • Solarkabel* mit ausreichend Länge und Querschnitt (“Dicke”; nicht am falschen Ende sparen, sonst werden die Kabel (zu) heiß; Der VDE hat hier Informationen). Ich habe die Stecker selber drauf gemacht – man kann sie heute aber auch mit Stecker kaufen.
  • Solarstecker* und Y-Adapter* (unsere Module sind parallel geschaltet)
  • Kabeldurchlass*: Habe ich zwar gekauft, ich habe die Kabel jedoch am Rand eines Dachfensters mit passenden Löchern durch die Plastikkante geführt.
  • 2 “Natoknochen*”: Ich habe Leistungsschalter verbaut, um den Solar-Stromkreis und den Akku-Stromkeis vom Laderegler trennen zu können. Dies dient Wartungszwecken. Ich habe sie einige Male benötigt, z.B. wenn der Tiefenentladeschutz ausgelöst hat. Der Solarladeregler hätte die Verbraucher sonst erst bei einem höheren Akkuladestand wieder unter Spannung gesetzt.
  • Einen Sicherungskasten* für Flachsicherungen: Den verbauten Trafo habe ich entfernt. Hier waren auch die Sicherungen verbaut, Außerdem habe ich zwei zusätzliche 12 Volt Doppelsteckdosen verbaut und einzeln abgesichert. Spart nicht an Sicherungen! Bei den Strömen kann es ohne Probleme anfangen zu brennen, wenn ein Gerät einen Kurzschluss hat! Wir hatten einige Kurzschlüsse: Die Deckenlampe hat vor kurzem durch mechanische Belastung das zeitliche gesegnet, die Wasserpumpe ist zwei mal durchgebrannt und eine Doppelsteckdose hat sich im wahrsten Sinne des Wortes in Rauch aufgelöst! Jedes mal hat eine Sicherung ausgelöst und uns vor Schaden bewahrt. Im Nachhinein würde ich nach Sichungsautomaten* Ausschau halten, die wiederverwendbar sind. Wenn man einen Fehler sucht, dezimiert sich sonst der Bestand der Ersatzsicherungen schnell….
  • Anschlusskabel* zwischen Akku und Wechselrichter, sowie Akku und Laderegler: Ich hatte noch 16mm² Hifi-Kabel inkl. 50 Ampere Sicherungshalter* und Sicherungen aus meiner Jugend rumliegen. :) Wieder: Spart nicht an Sicherungen! Diese fehlen zum Teil in Komplett-Sets.
  • Polklemmen* für den Anschluss an den Akku.
  • Verbindungskabel* und Abzweigklemmen*: Um die bestehende Verkabelung an den Laderegler anzuschliessen brauchte ich einige Kabel, sowie einige Abzweigklemmen. Es sind Litzenkabel zu verwenden, da andere Kabel auf Grund der Bewegungen während der Fahrt brechen und einen Kabelbrand auslösen könnten. 2,5 mm² reichen für kurze bis mittlere Strecken im Wohnwagen bei maximal 15 Ampere Absicherung.
  • Kabelschuhe* und Aderendhülsen*: Die größeren Verbindungen wie am Solarladeregler sind geschraubt. Damit das Kabel nicht ausfranst und der Querschnitt zu gering wird, werden Kabelschuhe zum Bündeln benötigt. Außerdem brauchte ich Steckverbinder für den Sicherungshalter und den Anschluß an die bestehende Verkabelung.
  • Doppelsteckdosen*: Diese haben wir benötigt um das KFZ-Netzteil für das Laptop und die Adapter für die Mobiltelefone betreiben zu können.
  • FI-Schutzschalter* zum zwischenstecken für den Wechselrichter: Dies ist aus meiner Sicht ein absolutes Muss für eine 230 Volt Installation. Er registriert Fehlerströme. Wenn beispielsweise geringe (aber durchaus tötliche) Ströme bspw. über den menschlichen Körper aus dem Stromkreis entweichen, schaltet der Schutzschalter den Strom aus.

Ich habe mir damals die Anlage selber zusammen gesucht. Es gibt aber auch einige Komplettpakete am Markt.

Hier sind ein paar Angebote die ich die ich empfehlenswert finde:

Bei Offgridtec sind sie auch z.T. günstiger zu beziehen:

Wie Montiere ich das Ganze?

Nachdem man endlich alle Teile rausgesucht und geliefert bekommen hat, kann die praktische Arbeit beginnen. Im Folgenden versuche ich kurz und knackig zu beschreiben, wie ich die Anlage eingebaut habe. Es ist sicher keine Raketenwissenschaft. Mit ein klein bisschen handwerklichen Geschick und ein Grundverständnis für Strom ist es aus meiner Sicht zu meistern.

Die Halterungen der Solarmodule habe ich mit PU-Kleber mit dem Dach verklebt. Ich habe die Halterungen vorher an die Module geschraubt – die selbstschneidenden Schrauben hätte ich auf dem Dach nie eingeschraubt bekommen. Das Dach habe ich erst gereinigt, die klebeflächen per Edding angezeichnet. Anschließend habe ich sie mit Spiritus entfettet, geschmirgelt, um die Oberfläche zu vergrößern und mit Primer behandelt (für eine noch bessere Haftung).

Den Kleber habe ich auf die gereinigten, entfetteten und mit Primer behandelten Kontaktflächen ca 0,5 bis 0,8 cm dick aufgetragen. Ich habe gelesen, dass die Klebung eine gewisse Dicke haben muss, um Dehnungen durch Temperaturschwankungen ausgleichen zu können. Die Module habe ich dann mit leichten Druck auf die markierten Stellen geklebt. Ich habe darauf geachtet, dass sie nicht durch Aufbauten beschattet werden. Die Anschlusskabel durfte ich nicht vergessen: Sie mussten an der Seite herausgeführt werden, sonst wäre ich nicht mehr an sie heran gekommen. Anschließend benötigte der Kleber 2 Tage Ruhe um aushärten zu können.

Das Verbindungskabel von den Modulen zum Regler habe ich wie gesagt durch den Rand eines Dachfensters geführt. Ich hatte Bedenken wegen der Langzeitdichtigkeit der gekauften Kabeldurchführung. Inzwischen sehe ich es gelassener. Ich würde nur darauf achten, dass sich keine Pfütze um eine Kabeldurchführung bilden kann (Montage an schrägen/senkrechten Flächen).

Der Akku hat in einem Staufach seinen Platz gefunden. Er ist mit Spanngurten, Holzleisten und Holzschrauben am Boden befestigt. Ich möchte nicht riskieren, dass sich das 50-kg-Monster selbständig macht!

Irgendwo hatte ich gelesen, dass der Laderegler nicht direkt neben dem Akku seinen Dienst verrichten soll. In einer Richtlinie ging es um die Möglichkeit der Gasung und das Risiko des Ladereglers als Zündquelle. Für AGM/Vließ-Akkus und Gel-Akkus ist dies in meinen Augen nicht relevant, da sie bauartbedingt kaum ausgasen können. Um nicht noch mehr Stauraum zu verlieren habe ich ihn inkl. der Leistungsschalter, Sicherungen und dem Ladegerät hinter der Heizung verbaut. Dies hat sich als suboptimal herausgestellt: Die Belastung durch die Heizungshitze ist da und an die Sicherungen komme ich nur ran, wenn ich den darüberliegenden Schrankboden leer räume und heraus nehme. Heute würde ich den Laderegler bewusst nahe vom Akku montieren, um auch die Funktionalität der Temperaturabhängigen Ladung zu nutzen. Um das angesprochene Restrisiko durch die Gasung  zu minimieren, kann eine Trennwand aus bspw. dünnem Sperrholz zwischen Akku und Laderegler eingebaut werden. Die Sicherungen würde ich in einen zugänglichen, aber für Kinderhände verschließbaren Kasten verbauen.

Die Hauptsicherungen sind in den Strecken zwischen Akku und Laderegler bzw. Akku und Wechselrichter verbaut. Die anderen Sicherungen sind zwischen Laderegler und Verbraucher verbaut. Wie bei KFZ üblich habe ich die Plus-Leitung abgesichert.

Den Wechselrichter habe ich unter einer Sitzbank als Kompromiss zwischen Zugänglichkeit und Schutz vor “von Kindern bespielt werden” inkl. eingesteckten FI-Schalter verbaut. Der Wechselrichter wird von uns nur eingeschaltet, wenn wir ihn benötigen, ansonsten würde er im Leerlauf zu viel Strom benötigen.

Der Einbau hat einige Tage gedauert, wobei ich maximal 2 Stunden am Stück gearbeitet habe. Wir waren schon unterwegs, als ich verkabelt habe. Nur die Solarmodule und das Solaranschlußkabel habe ich noch in der alten Heimat montiert. Alles in allem war es kein Hexenwerk und auch keine Raketenwissenschaft, die richtigen Komponenten herauszusuchen und einzubauen. Leben ist Lernen! Bei akribischer Arbeit hat man ein geringes Risiko. Wenn man den Energiebedarf einigermaßen korrekt bestimmt und man weiß, mit wie viel Sonne man rechnen kann, kann man so einen enormen Komfortgewinn erzielen. Die gut 1.000 Euro teure Investition hat sich aus meiner Sicht gut gerechnet: Wir habe viel Zeit an wirklich tollen Orten verbringen können. Strom war extrem selten der Abreisegrund. Im Süden hatten wir eigentlich nie Strommangel. Wichtige Dinge wie fließend Wasser und Licht haben immer funktioniert. In den Sommermonaten brauchten wir eigentlich nie auf den Stromverbrauch achten.

Wer ein Wohnmobil sein Eigen nennen kann, hat wahrscheinlich einen deutlich geringeren Aufwand: Der Akku für die Verbraucher ist in der Regel vorhanden und auch die Verkabelung und die Sicherungen. Hier kann der Solarladeregler als zusätzliches Ladegerät an den Akku angeschlossen werden. Wer den Aufwand scheut, kann die Verbraucher direkt am Akku angeschlossen lassen. Man verliert dabei aber potentiell den Schutz vor Tiefenentladung und die Überwachung der Ströme (interessant um “Stromfresser” zu identifizieren), sofern der Laderegler diese Funktionen bietet. Jedoch haben Wohnmobile potentiell auch einen Tiefenentladeschutz und eine Energie-Überwachung vom Werk aus installiert.

Wenn noch Fragen offen sind, oder etwas unklar ist, schreibt uns gerne einen Kommentar!