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In mitten wunderschöner Natur, umgeben von Wiesen und Wäldern, ist vor kurzem ein riesenkleines und sehr besonderes Dorf entstanden. Einige der alten sanierungsbedürftigen Gebäude wurden von den Menschen wieder neu aufgebaut, andere Gebäude sind ganz neu entstanden. Die meisten Bauarbeiten wurden von den Dorfbewohnern selbst geleistet, ressourcenschonend, aus ökologischen Materialien, liebevoll, teils individuell und kunstvoll gestaltet. Jedes Häuschen ist ein kleines Kunstwerk für sich. Es ist noch längst nicht alles fertig und hier ist auch noch Platz für neue Familien vorhanden – jeder der sich uns verbunden fühlt ist hier willkommen!
Die Kinder spielen zwischen den Gebäuden, klettern auf Bäume, spielen mit den Tieren… es gibt keine Gefahr durch Straßenverkehr, überall hört man Kinder lachen und fröhlich spielen. Überall sieht man Mamas und Papas mit Tragetüchern bei der Arbeit, am Werkeln, Singen und am Plaudern.
Wir haben verschiedene Werkstätten und Arbeitsräume eingerichtet und einige Erwachsene haben sich damit selbständig gemacht um etwas Geld zu verdienen. Die Kinder sind oft dabei und können so direkt an den vielfältigen Aufgaben des Lebens teilnehmen. Aktiv und mit Freude! Es wir jeden Tag irgendetwas gewerkelt, gebaut, gegärtnert, genäht, gebastelt, gekocht, gemalt und vieles mehr – eben alles was so ansteht!
Eine Mama sitzt gerade, ihr Baby stillend, in der Sonne auf der Veranda vor ihrem Häuschen und ist am Stricken, einen ganzen Stapel Babyhosen hat sie diese Woche schon gestrickt, es macht ihr so einen Spaß, dass sie gar nicht damit aufhören kann. Die Hosen will sie dann nächste Woche auf dem großen Flohmarkt im Nachbarort verkaufen.
Aber nicht alle der Menschen hier im Dorf wollten und wollen sich selbständig machen, manche genießen auch weiterhin die Sicherheit eines Lebens als Angestellter. In den Nachbarorten gibt es einige Arbeitgeber und wer möchte, der findet dort meistens schnell eine Arbeitsstelle.

Wir haben einen großen Gemeinschaftsbereich im Zentrum unseres Dorfes, mit Sommerküche, aber auch Innenräumen, zum einfach nur Beisammensein, aber auch für Feiern, und auch Räume für Gäste. Es gibt auch Seminarräume, denn hier finden meist mehrmals im Monat Workshops und Seminare statt, teilweise von unseren Dorfbewohnern geleitet, teilweise aber auch von externen Menschen. Dadurch ist hier auf dem Gelände immer viel Los und es kommen viele unterschiedliche Menschen von Außerhalb zu uns, von denen wir lernen und sie von uns. Es gibt hier immer was zu lernen und zu erleben. Für kleine und auch für große Menschen!

Wir sind so unglaublich dankbar diesen Ort gefunden zu haben! Die Suche danach hat lange gedauert und war für uns alle sehr energiefordernd. Aber die lange Suche nach „dem perfekten Ort“, das viele Hoffen und Bangen und unglaubliche Geduld hat sich auf jeden Fall gelohnt! Wir haben den perfekten und wunderbarsten Ort gefunden den man sich nur vorstellen kann! Wir haben es geschafft, wir haben uns tatsächlich ein Freilernerdorf erschaffen! Wir sind nun mitten drin! 

Die Eigentumsverhältnisse sind hier ganz individuell gestaltet. Einige Dorfbewohner leben hier zur Miete, andere haben Eigentum erworben. Manche wohnen in Bauwägen und Jurten und sogar ein kleines Hobbithäuschen wurde hinten im Wald errichtet. Es sind auch nicht nur Familien die hier leben, sondern teilweise auch Pärchen, alleinstehende Menschen und einige Menschen der älteren Generation. Alle verbindet vor allem Eines: sie wollen nicht alleine sein und ein Leben in einer lebendigen und vielfältigen Gemeinschaft genießen  – diese Vielfalt ist für uns alle sehr bereichernd! In einem Gebäude da drüben hat sich vor kurzem eine WG mit einigen jungen Menschen gegründet.
Ich lebe mit meinem Mann und unseren Kindern in einem kleinen Häuschen direkt neben den Pferdeställen, so bin ich meinem geliebten Pferdchen immer ganz nah.  Im letzten Sommer haben wir dieses alte zerfallene Gebäude wieder aufgerichtet und ganz nach unseren Vorstellungen gestaltet. Es ist zwar noch nicht alles fertig, hinten sollen noch zwei Zimmer entstehen und die Veranda soll noch erweitert werden, aber wir haben es hier schon schön wohnlich und gemütlich und fühlen uns sehr wohl! Wenn ich morgens aufwache und aus dem Schlafzimmerfenster schaue, dann sehe ich die Pferde auf der Wiese grasen und schon den ein oder anderen Frühaufsteher nach den Tieren schauen.

Es gibt viele Tiere hier im Dorf; Pferde, Hunde, Schafe, Ziegen, Katzen, Kaninchen… Es ist so schön anzusehen, wie die Menschen und Tiere hier an diesem Ort gemeinsam in Frieden leben. Das klingt wahrscheinlich alles total idyllisch. Ist es auch! Aber die nächste große Stadt ist trotzdem nicht weit weg ist. Der nächste Bahnhof ist mit dem Fahrrad zu erreichen und ab und zu werden auch mal Ausflüge in die Stadt unternommen. Wir sind hier nicht isoliert, genießen aber meistens die Idylle hier auf dem Land und können es uns nicht mehr anders vorstellen. Zwei junge Mädchen haben dieses Wochenende Besuch von ihren Freundinnen aus der Stadt und wollen ihnen das Reiten beibringen.

Die meisten Kinder in unserem Dorf sind Freilerner und besuchen keine öffentliche Schule und die Behörden sind uns diesbezüglich wohlgesonnen, da wir unseren Kindern in unserem Dorf viel mehr zu bieten haben, als jedes Klassenzimmer. Wir haben mit unserem Gemeinschaftsort einen inoffiziellen Lernort geschaffen, sozusagen eine Schule des Lebens! Es war schon lange an der Zeit, die Schulbesuchspflicht in Deutschland zu überdenken und nun ist es geschafft, wir haben das Bildungssystem revolutioniert! In den Gemeinschaftsgebäuden gibt es viele Lernmaterialien, eine Bücherei und die vielen verschiedenen Menschen in unserem Dorf haben gemeinsam ein riesiges Wissenspotential, so das wir hier alle voneinander und miteinander lernen, ständig, pausenlos, immer! Die Kinder, welche gerne einen offiziellen Schulabschluss machen möchten, oder aus anderen Gründen eine Schule besuchen möchten, besuchen die freie Schule im Nachbarort. Wir sind nicht grundsätzlich gegen Schuleinrichtungen, jedoch sind wir der Meinung, dass das Lernen keine Pflicht sein darf, sondern als natürliches Grundbedürfnis eines jeden Menschen angesehen und somit unterstützt werden sollte! Wir haben einen Fahrdienst organisiert, so dass wir Erwachsenen uns abwechseln mit dem Bringen und Holen der Kinder und Jugendlichen.

Für mich als Mama ist das leben, seit dem wir im Dorf wohnen, viel entspannter und einfacher geworden. Denn obwohl meine Kinder noch sehr klein sind und viele Bedürfnisse haben, finde ich viel mehr Zeit für mich und meine Hobbys und Arbeit. Das liegt einfach daran, dass die Kinder hier viel mehr liebevolle und vertraute Menschen um sich haben mit denen sie eine vertraute Bindung eingehen können und somit nicht nur ich als Anlaufstelle da bin – sozusagen ein natürlicher Clan, oder ihre Wahlfamilie. :) Ich komme jetzt viel öfter zum Reiten und zum Nähen und vielem mehr, was zuvor lange auf der Strecke geblieben ist. Ich denke schon darüber nach auch etwas Geld dazu zu verdienen – die Zeit dazu hätte ich jetzt. Wenn wir nach draußen gehen, sind die Kinder frei. Wir brauchen nicht so sehr wie früher aufpassen das ihnen nichts passiert – als Helikoptereltern. Alle Erwachsenen schauen nach den Kindern, wir brauchen unsere Kinder hier nicht ständig kontrollieren, weil wir uns auf die anderen Erwachsenen verlassen können und sich alle mit verantwortlich fühlen.

Die sozialen Kontakte sind direkt vor Ort und das sehr zahlreich und das ist sooo praktisch! Anfangs waren es nur eine Hand voll Familien die sich hier niedergelassen haben, aber inzwischen leben hier immerhin über 100 große und kleine Menschen an diesem Ort. Unser Land ist über 50 Hektar groß, wir haben keinen Platzmangel und können uns frei entfalten, das ist Luxus pur!

Auch für meinen Mann ist es sehr schön mehr Zeit mit uns verbringen zu können und nicht mehr im Hamsterrad des Angestelltendaseins gefangen zu sein. Er kann seine Arbeit frei einteilen und arbeitet nur soviel wie er möchte, so macht die Arbeit auch gleich viel mehr Spaß. Dadurch ist er zeitlich sehr flexibel und kann sich immer nach den Bedürfnissen unserer Familie richten. Wir haben dadurch zwar nicht mehr so viel Geld wie früher zur Verfügung, aber das macht uns nichts aus, denn zusammen sein und Spaß haben ist uns um ein vielfaches wichtiger. Außerdem haben wir durch die Gemeinschaft und durch unser teilweises autarkes Leben hier im Dorf längst nicht so hohe Kosten wie früher als wir noch alleine lebten. Wir pflanzen Gemüse selber an und auch die verschiedensten Obstsorten sind in der Umgebung je nach Saison vorhanden. Dieses Dorf ist ein wunderbares fruchtbares Naturparadies! Durch unsere Pflege der Umgebung durch Permakultur haben wir eine reiche Ernte und durch die Hilfe der vielen Menschen hier im Dorf ist es auch gar nicht so viel Arbeit für die einzelnen Menschen. Außerdem teilen wir uns mit den anderen Menschen im Dorf viele Ressourcen, was auch enorme Kosten senkt, zum Beispiel Autos, Küchengeräte, Fahrräder, Werkzeug, Maschinen, Bücher, Spielzeug, Kleidung und vieles mehr. Außerdem kochen wir oft gemeinsam für alle. Es ist ein ständiges Geben und Nehmen auf Gegenseitigkeit. Keiner kontrolliert den anderen, ob es „gerecht“ abläuft, sondern wir vertrauen einander, das sich jeder nur so viel nimmt wie er braucht und auch achtsam damit umgeht.

Die Menschen die hier leben sind alle sehr unterschiedlich und trotzdem klappt das Zusammenleben wunderbar. Wir akzeptieren einander, und sind einfach froh darum so viele unterschiedliche Menschen, mit unterschiedlichen Meinungen, Wissen und Lebensweisen hier an einem Ort vereint zu sehen. Das ist total bereichernd und macht unser Dorf kunterbunt und total spannend! Natürlich ist es auch mal etwas anstrengend, schließlich kommen hier viele Bedürfnisse und Meinungen aufeinander. Aber inzwischen kennen wir die Phasen von Gemeinschafstbildung recht gut und können immer besser damit umgehen und daran wachsen. :)

Der nächste Badesee ist mit dem Fahrrad in 20 Minuten zu erreichen, bei Badewetter findet sich eigentlich immer eine Gruppe zusammen und verbringt einen Tag am See. Die letzte Nacht war eine ganze besondere, denn es wurde hier im Dorf ein Baby geboren! Ich und noch eine Freundin durften bei der Geburt dabei sein und das Wunder miterleben. Es war fantastisch und alles verlief wunderbar! Die traditionelle Hebamme aus dem Nachbarort, welche hier von den meisten Frauen als Geburtsbegleiterin gewählt wird, traf erst kurze Zeit nach der Geburt ein, weil es zum Schluss so flott ging (es ist ihr viertes Baby ;) ). Aber das machte nichts, denn es gab keine Probleme und die Mutter fühlte sich wunderbar aufgehoben und von uns unterstützt und für uns war es eine Ehre dieses Wunder live mitzuerleben und zu sehen wie die Mama ihr Baby aus eigener Kraft gebiert und in ihre eigenen Hände empfängt. So sollte Geburt doch immer sein, natürlich und kraftvoll!

Heute ist eine ganze Kinderhorde mit ein paar Erwachsenen zu einem Bach hier in der Nähe gewandert, um dort eine Brücke zu bauen. Das ist natürlich super spannend und will kein Kind verpassen! Und heute Abend werden sich alle die möchten am Lagerfeuer versammeln und es wird gegrillt, das Feuerholz wurde vorhin schon zusammengesammelt. Das machen wir im Sommer oft, meist wird dann noch gesungen und Gitarre gespielt und die Kinder tollen herum, bis eines nach dem anderen von seiner Müdigkeit besiegt wird.

Nächstes Wochenende ist ein großer Ausflug in die Stadt geplant. Erst zur Stadtbücherei die geliehenen Bücher austauschen und danach geht’s ins große Museum. Einige von uns kennen das Museum schon und wollen in der Zeit lieber eine Fabrik besichtigen gehen, das wird bestimmt auch spannend.

So, und jetzt setze ich mich mit meinem Baby in die Sonne, beobachte die großen Mädchen beim Reiten und werde das Leben genießen!

Vielleicht kommst du uns ja bald mal besuchen?

 

P.S.: damit keine Missverständnisse aufkommen, das oben beschriebene Dorf gibt es so (noch) nicht, aber das soll sich bald ändern! Kennst du einen Ort an dem ein solches Dorf entstehen könnte? Dann schreibe mir!