Seite auswählen

27. Januar, wir verlassen die schönen idyllischen Berge und die warme Quelle. Wir wollen es noch wärmer haben – also gehts noch weiter in den Süden.
Es ist schon dunkel als wir in Valencia ankommen, 21 Uhr, eine sehr lebendige Stadt und ein unglaublicher Verkehr für die Uhrzeit – aber für dieses Land vermutlich ganz normal.  Das Navy führt uns mitten durch die City. In vielen Straßen stehen Orangenbäume voller Früchte und die Menschen sitzen vor den Cafes und Bars quasie mitten auf den Straßen – der Verkehr und der Lärm scheint sie nicht zu stören…
Wir fahren direkt an den Strand, hier ist es schön ruhig, hier bleiben wir für zwei Nächte und Tage…  Die Kinder toben sich in den Dünen aus, hier können sie sich so richtig frei bewegen, kein Verkehr, Nebensaison, nichts los…. und das bei dem tollen Wetter! Es ist richtig schön sommerlich warm!
Dann zieht es uns weiter richtung Südküste… mit Zwischenstopp für eine Übernachtung auf einem Wohmobilstellplatz in Baraneres de Mariola. Das Navy führt uns fieser Weise über eine schmale und sehr holperige Nebenstraße und die letze Kurve kriegen wir mit unserem über 12-Meter-Gespann kaum, millimeterarbeit… Das war wirklich gemein vom Navy! Aber der Stellplatz ist dafür sehr schön und idyllisch.  Nur in der Nacht ist es dann wieder extrem am stürmen, noch doller als wie vor ein paar Tagen in Frankreich. Zeigt sich hier so der Winter?…
„Heiße Quellen“, das hört sich doch gut an! Das wollen wir uns nicht entgehen lassen! Also fahren wir am nächsten Tag weiter richtung Murcia…
„Privado“ steht auf dem Schild… egal, wir fahren trotzdem durch. Ab auf die Schotterpiste! Es ist staubig, es ist schmal, es ist steinig und schotterig….. und es ist heiß an diesem Tag! Willkommen in der Wüste!
Es geht bergauf, und noch weiter bergauf, kein Problem für unser Gespann… Oben auf dem Gipfel des Hügels ein riesiger Schotterhaufen, der wohl mal ein Haus war. Da hinten, da wo die anderen Wohnmobile zu sehen sind, da muss sie wohl sein die begehrte heiße Quelle. Gut die Hälfte des Weges haben wir schon geschafft, wenn das so weiter geht dann war das ja easy….
Es geht etwas bergab, joar das ist noch okay, wird zurück auch klappen. Aber dann, hinter der Kurve wird es steiler… sehr viel steiler!…. oh je, denken wir, das wird spannend auf dem Rückweg. Aber stoppen können wir an dieser Stelle nicht, denn rückwärts wieder hoch gehts nun nicht mehr. Wir hoffen einfach mal das Beste…
Dann, nach einer Weile, kommt ein Graben, da führt die „Straße“ durch. Fünf Meter runter und direkt wieder hoch, auf der anderen Seite ein riesen Loch mitten auf dem Weg und eine scharfe Kurve. Nein, das lassen wir sein! Da kommen wir nicht durch. Also umdrehen, schade… vielleicht woanders parken und mit dem Fahrrad hin überlegen wir…
Wir drehen also um und fahren zurück, der Berg von vorhin kommt immer näher, das sieht steil aus, sehr steil!…. Also mit Vollgas drauf zu, ohne brauchen wir es gar nicht versuchen. Wir werden immer schneller und brettern die Steigung hoch, achterbahngefühl, der arme Wohnwagen… doch dann werden wir immer langsamer … und noch langsamer…. und die Reifen drehen durch… nur gut die Hälfte der Steigung haben wir geschafft. Rückwärts wieder runter. Das war wohl nichts… Wir parken erstmal am Wegesrand und laufen alle „Straßen“ die abzweigen ab und suchen nach einem anderen Weg. Aber kein Weg führt aus der Wüste raus, oder er ist noch schwieriger zu befahren.
Unsere letze Hoffnung ist den Wohnwagen und den Bus zu entladen, also Gewicht rausschmeissen. Alles was irgendwie schwer ist, schmeißen wir nach draußen, jeder Kilo zählt denken wir… So machen wir dann noch zwei Versuche ohne Ladung, aber keine Chance, wir kommen nicht hoch, die Kupplung schmorrt schon…
Es fängt an zu dämmern und uns bleibt wohl nichts anderes übrig als hier, mitten in der schönen Wüste, zu übernachten… etwas bammel haben wir ja, wie wir hier wohl wieder rauskommen werden? Und vor allem wann?… Aber uns gehts zumindest nicht schlecht, wir habens warm im Wohnwagen, wir haben Essen und Trinken und notfalls auch Fahrräder und „die Zivilisation“ ist nur drei Kilometer entfernt…
Den nächsten Tag verbringt Stefan dann in einem sehr netten Restaurant, um irgendwie Hilfe heranzubekommen. Und das ohne ein wort Spanisch sprechen zu können und Englisch können die meisten Menschen hier auch nicht. Es ist also nicht so einfach sich zu verständigen und es dauert entsprechend… Ein Bauer will mit Trecker helfen, auf den wird gewartet… und gewartet… bis irgendwann klar wird, dass das wohl ein leeres Versprechen war.
Von Einheimischen haben wir inzwischen erfahren, das wenn es hier mal regnet, dann kommt man hier keinen Meter mehr weit, weil alles zu matschig wird. Dann stellen sich die Leute, die länger bei der Quelle stehen, mit ihren Fahrzeugen auf irgendeinen Hügel dort.
Mittags fängt es dann an zu regnen, das erste Mal Regen seit unserer Reise! Murphys Gesetz.  Wir haben etwas bammel das wir nun Wochenlang hier festsitzen… doch ein Glück, es hört bald wieder auf zu regnen und der Boden ist schnell wieder trocken. Glück gehabt!
Das Resaurantpersonal überlegt und fiebert schon ganz aufgeregt mit… und irgendwann entscheiden sie sich, das es doch einen Versuch wert wäre, das Auto der einen Kollegin zu nutzen, mit Vierradantrieb…
Während dessen sitze ich mit zwei wilden Kindern und einem Neugeborenen alleine in der Wüste fest. Nichtmal ein Auto kommt an diesem Tag hier vorbei… ob es hier wohl Skorpione oder Schlangen gibt? Irgendwann muss es hier auch mal feucht (gewesen) sein, denn es ist alles voller Schneckenhäuser…
Francesco und Eva sind unsere Helden! Den Wohnwagen haben wir wieder komplett entladen und der kleine KIA mit Vierradantrieb zieht das Ding hoch, als wäre nichts. Juhuu, wir sind wieder frei! So ein Auto will ich auch haben, denke ich!…
Wir haben durch diesen Spaß auf jeden Fall dazu gelernt, denn von nun an passen wir sehr genau auf, in was für Straßen wir fahren (oder besser nicht fahren), bzw. laufen wir jede Straße die uns „spanisch“ vorkommt ersteinmal zu Fuß oder mit dem Rad ab.
…und die heiße Quelle war übrgigens gar nicht so schön wie erwartet. WIr haben uns so richtig schönes klares warmes Wasser vorgestellt, aber dort war nur braune Brühe… gibt es irgendwo schönere (frei zugängliche) Quellen? Wenn wer Tipps hat, gerne her damit!
Die Nächste Nacht verbringen wir direkt am Meer bei Mazarrón und lassen den Stress erstmal abklingen… Zehn Meter von der Brandung entfernt lässt es sich gut schlafen, einfach dem Brausen der Wellen lauschen und sich davon einlullen lassen… am nächsten Morgen aufwachen, die Rollos hoch machen und aus dem Bett dem Sonnenaufgang überm Meer zuschauen, einfach nur schön! …

 

Am Strand in Valencia:

DSC_0549

DSC_0570

In der „Wüste“:
Der „Graben“ durch den wir nicht durchfahren wollten:

DSC_0650

Da hinten die Steigung die wir nicht hochgekommen sind:

DSC_0682

Schöner Ausblick, in jede Richtung Wüste, Schotter, Staub,…

DSC_0685

DSC_0684

Gewicht loswerden…

DSC_0658

Unsere „Rettung“:

DSC_0696

Sonnenaufgang am Strand bei Mazarrón:DSC_0731

DSC_0730

In Erinnerung an den größten Bagger der Welt:

DSC_0739