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Hör auf zu schmatzen! Probier doch das mal! Pass auf dass du nicht kleckerst. Benutze die Gabel! Nicht noch mehr – das reicht. Nimm nur ein bisschen! Nein – erst aufessen bevor du noch mehr nimmst. Nicht beim kauen sprechen. Iss auf – sonst gibt es morgen schlechtes Wetter!

Diese und ähnliche Sätze habe ich als Kind gehört. Zwar nicht bei meiner Mutter, aber dafür bei den Verwandten regelmäßig und trotzdem ich nicht oft dort war, erinnere ich mich noch gut daran. Dieses Gefühl des kontrolliert werdens, des Leistung bringen müssen,… gut genug zu sein, zu gefallen, es so zu können wie erwartet. Essen müssen, obwohl ich nicht mag. Wo bleibt das Selbstwertgefühl bei dieser Fremdkontrolle? Wo bleibt das eigene Körpergefühl, das Gefühl für Hunger und Satt?

Und dabei geht es doch nur ums Essen! Um die Erfüllung eines ganz simples Grundbedürfnisses. Hunger!

Kinder sind Kinder, verspiel und neugierig, experimientierfreudig.

Stell dir vor, du isst irgendetwas zum aller ersten Mal in deinem Leben. Sowieso haben Kinder nicht viele Erfahrungen, was Essen in ihrem Mund angeht. Geschmack, Konsistenz, Geruch, usw… alles ist total spannend zu fühlen und zu schmecken!

Wir Erwachsenen haben das oft verlernt, zwischen Alltagsstress und Gedankenabwesenheit. Wir stopfen uns zu festen Uhrzeiten den Magen voll, um die Stunden dazwischen was anderes erledigen zu können. Aber Kinder sind diesbezüglich (noch) frei – sie futtern sich natürlicherweise durch den Tag, wenn man sie lässt. Mal hier ein Krümel, mal da ein Bissen. So wie die Lust sie gerade lenkt!

Und es ist auch okay, mal Hunger zu spüren. Wir müssen nicht darauf pochen, dass sich unsere Kinder zu den festen Mahlzeiten “wirklich satt essen”. Es reicht, wenn wir den Tisch abwechslungsreich und gesund decken – als Angebot, nicht als Verpflichtung!

Wenn man die Kinder frei und selbstbestimmt essen lässt, ist es oft natürlich sehr spannend! Hier zumindest geht es oft sehr – wild – selbstbestimmt – kreativ – einher…

Und das ist okay!

Ich möchte meine Kinder nicht regulieren. Sie dürfen selbst entscheiden was sie essen. Sie müssen nichts probieren. Sie dürfen mit den Fingern essen und sie dürfen ausspucken, was nicht schmeckt. Sie dürfen neue Ideen kreieren. Und es kriegt auch jeder seinen “Extrawunsch” erfüllt – wenn möglich.

Jeder darf essen wann er will – wir laden zu gemeinsamen Mahlzeiten ein, aber es ist kein “Muss” daran teilzunehmen. Hier wird auf dem Boden sitzend gegessen, draußen gegessen, beim Videos schauen gegessen, bei Spielen gegessen, eigentlich immer und überall…

Natürlich sage ich meine Meinung, wenn es mir zu viel wird. Ich möchte nicht, dass das Essen einfach so in großen Mengen vernichtet wird. Essen ist zum Essen da – aber das Wie, ist mir dabei relativ egal.

Was ich jedoch nicht möchte ist, den ganzen Tag als Bedienung betrachtet zu werden. “Mama, mach mir x und y”, und das im 15 -Minuten-Takt bei drei Kindern. Nöö! Freies Essen bedeutet auch selbständig essen zu dürfen/können/wollen… Die Nahrungsmittel sind hier frei zugänglich und es steht auch immer Obst/Gemüse in Reichweite. Wer was essen will, darf sich gerne was nehmen. Ich reguliere das nicht. Natürlich helfe ich zwischendurch auch hier und da gerne. Aber ich bin auch noch ich und nicht nur Küchenangestellte. ;)

Früher dachte ich tatsächlich, dass es doch toll ist gemeinsam als Familie “friedlich” am Familientisch zu essen und sich Geschichten zu erzählen und über das Erlebte zu sprechen usw. Aber warum eigentlich? Woher kommt diese Sitte? Ich glaube das kommt daher, dass es (früher, und auch heute noch oft) in vielen Familien normal ist, dass man sich fast nur zu den Mahlzeiten sieht. Den rest des Tages geht jeder seinen eigenen Weg, seinen eigenen Tätigkeiten und Arbeiten nach. Da ist das gemeinsame Essen also ein Zusammenkommen der Familie. Wir aber leben dieses Modell so ja gar nicht. Wir sind ja immer zusammen, von morgens bis abends. Quasi immer. Fulltimefamily, Wir müssen uns nicht (zum essen) verabreden, um uns zu sehen und zu sprechen.

Wir sind den ganzen Tag miteinander in Beziehung! Wir wissen wie es den anderen geht, wir wissen was ihn gerade beschäftigt und was er noch vor hat. Wir brauchen das nicht zu den Essenszeiten besprechen.

Ich selber esse manchmal oft auch gerne alleine. Einfach nur ganz in Ruhe kauen, genießen, denken. Ohne Unterbrechung (haha! Schön wärs!). Kauen, Schlucken, Atmen, nachdenken, träumen, dabei etwas lesen oder anschauen… Ich esse total gerne und bin ein absoluter Feinschmecker. Es steht mir einfach nicht zu, zu entscheiden wie, was und wann meine Kinder essen.

Klar wird gekleckert, gekrümelt und teilweise auch gematscht. Ich putze das hinterher weg. So einfach ist das. Es ist nicht schlimm! Es ist nur ein Stück Banane, Kartoffel, etwas Milch,… Es ist was es ist. Es ist keine Grenze. Es ist Essen. Punkt.

Und trotzdem wir so frei essen, sitzen wir oft auch alle gemeinsam am Tisch, das ist ja auch mal richtig schön. Ganz natürlich und nichts erzwungen.

Wie is(s)t es bei euch?