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Jede Geburt ist ein Abenteuer!

Wenn die Familie wächst, ist das immer etwas ganz besonderes.

Als sich unser zweites Baby ankündigte, war für uns ziemlich schnell klar, dass unser dann 2,5 jähriger Sohn bei der Geburt dabei sein darf. Da er sowieso in seinem ganzen bisherigen Leben zu 100% nur von uns selbst betreut und begleitet wurde, wäre es uns schon allein aus dem Grund sehr merkwürdig vorgekommen, ihn ausgerechnet bei diesem besonderen Erlebnis auszuschließen und ihn Fremdbetreuen zu lassen.

Wenn die Familie wächst und sich ein neues Baby dazugesellt, dann ist dies ein ganz besonderer und zauberhafter Moment. Warum sollte man die Geschwister nicht daran teil haben lassen? Für uns war es das natürlichste…

Ein natürliches Erlebnis:

Ich gebe zu, hätte ich eine Geburt im Krankenhaus geplant, wäre es mir nie in den Sinn gekommen meinen Sohn mitzunehmen. Schon allein die Tatsache, dass dort das fremde Personal herumläuft, hätte sicherlich meinen (altersbedingt schüchternen) Sohn verunsichert. Außerdem verläuft im Krankenhaus selten eine Geburt so natürlich wie es eigentlich möglich ist. Es finden meistens viele Routineuntersuchungen statt, wie zum Beispiel vaginale Untersuchungen, Ultraschall, CTG-Kontrolle und (beängstigende) Arztgespräche, außerdem kommt es oft zu medizinischen Eingriffen, wie Zugang legen für einen Tropf, Dammschnitt, Saugglocke, Kristellern oder sogar Kaiserschnitt. All dies kann die Geburt für ein (kleines) Kind beängstigend machen – zu Recht, denn das ist es dann ja selbst für uns Eltern.

Aber zuhause, bei einer Hausgeburt, brauchen wir uns vor all dem nicht zu fürchten. Wir befinden uns in unserem sicheren und privaten Nest und können die Geburt als ganz natürliches Erlebnis erleben. Normalerweise passiert bei einer Geburt nichts beängstigendes und ist somit einfach nur ein unglaublich schönes und zauberhaftes Erlebnis – auch für Kinder! Und für den unvorhergesehenen Fall, dass doch eine Verlegung ins Krankenhaus ansteht, kann man sich ja eine Betreuungsperson bereit halten.

Geburtsvorbereitung für Kinder:

Zum Zeitpunkt der Geburt unserer Tochter, war unser Sohn gerade mal 2,5 Jahre alt und hat damals erst kaum ein Wort gesprochen. Trotzdem hat er alles verstanden und es war für ihn das normalste mit dabei zu sein. Von Angst oder Unsicherheit war keine Spur zu sehen – im Gegenteil, er war Feuer und Flamme, freute sich tierisch auf die Geburt und konnte es kaum erwarten (unsere Tochter kam erst 14 Tage nach Termin  ).

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Vorbereitet haben wir ihn schon die gesamte Schwangerschaft, indem wir offen mit ihm über die Geburt gesprochen haben – darüber wie Geburt sein kann. Außerdem haben wir das wunderbare Buch „Runas Geburt: Meine Schwester kommt zur Welt“* immer wieder gelesen und wir haben mit ihm schöne Geburtsvideos auf YouTube angeschaut (Achtung! Es gibt auch ganz viele schreckliche, unbedingt vorher alleine anschauen!).

Wer möchte kann sehr gerne auf unserem Pinterest-Kanal stöbern, hier haben wir alle Geburtsvideos gepinnt, die wir schön finden und uns während der Schwangerschaft gemeinsam mit unserem Sohn angeschaut haben.

Pinterest: freiefamilie.de Geburtsvideos

Außerdem haben wir eine Geburtspuppe gekauft, die es momentan jedoch leider nicht mehr zu kaufen gibt. Das ist wirklich sehr schade! Denn diese Puppe ist hier sehr oft bespielt worden und wird es heute immer noch. Außer Babys gebären, kann die Puppe auch noch Stillen und ihr Baby mit dem Tragetuch tragen.

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Flexibel bleiben:

Natürlich wusste ich nicht genau wie diese Geburt für mich sein wird. Denn jede Geburt ist anders und einzigartig. Darum habe ich mir bis zum Schluss offen gelassen, ob ich den Papa mit unserem Söhnchen eventuell zeitweise weg schicke, falls ich das Bedürfnis nach allein sein haben sollte. Denn ich wollte das nicht vorher so “streng” planen, nach dem Motto “auf jeden Fall soll die Familie zusammen sein”. Ich fand die Vorstellung dessen zwar sehr romantisch – wollte mir aber selbst die Freiheit lassen, während der Geburt auf mein Gefühl zu hören und mich nicht darauf zu versteifen. Denn ich wusste wie wichtig dies für mich ist, damit die Geburt ihren natürlichen Lauf nehmen kann. Denn nur wenn ich mich richtig wohl fühle und mich absolut entspannen kann, können die Wehen ihre ganze Kraft richtig wirken lassen. Dies ist auch einer der Gründe, weshalb ich Zuhause geboren habe, denn im Krankenhaus hätte ich mich niemals auf diese Art entspannen und gehen lassen können.

Geburt aus Kinderaugen:

Gesellschaftlich wird Geburt heutzutage oft als etwas schreckliches gesehen, nämlich etwas das ekelig ist (Blut, Fruchtwasser, Kot, Erbrochenes,…) und etwas “durch das man halt durch muss” und nur Leid und Schmerzen bereitet und außerdem quasi lebensgefährlich ist. Aus Kinderaugen sieht das Ganze aber ganz anders aus, sie haben all diese Bilder von uns Erwachsenen (noch) nicht im Kopf. Denn sie haben all die schrecklichen Filme und TV-Serien, in denen uns beigebracht wurde wie Geburt gefälligst zu sein hat (gefährlich, schmerzhaft, ekelig,…), noch nicht verinnerlicht und auch die ganzen schrecklichen Geburtserlebnisse aus dem Bekanntenkreis kennen sie nicht. Außerdem sind Körperausscheidungen für sie etwas ganz natürliches und nicht beängstigend oder ekelig – vorausgesetzt wir vermitteln ihnen im Alltag nichts anderes (z.B. beim Wickeln, Toilettengang, usw…).

Ein bereicherndes Erlebnis:

Für uns war es die absolut richtige Entscheidung, die Geburt gemeinsam als Familie zu erleben. Wir sind durch dieses Erlebnis noch weiter zusammen gewachsen und ich höre heute noch, wenn ich daran zurückdenke, die begeisternde Worte von meinem Sohn “Köpfchen schon da!”, als der Haarschopf unserer Tochter zu sehen war. :)

Und nein, ich hatte keine schmerzfreie Geburt, auch ich war teilweise sehr laut und habe viel getönt und mehr. Auch hat die Geburt sehr lange gedauert (ca. 35 Stunden), es war also ein langer Zeitraum für ihn, in dem ich als Mama nicht „normal wie immer“ war. Aber trotzdem hatte mein Sohn keine Angst, es war einfach normal und natürlich. Natürlichkeit er-leben, auch wenn sie nicht alltäglich ist, ist für Kinder einfach und schön, vorausgesetzt alle anderen Anwesenden empfinden dies auch so. Natürlich überträgt sich die Ruhe der anderen Anwesenden sicherlich auch aufs Kind, denn wenn Papa und/oder die Hebamme alles als ganz normal annehmen, erfährt das Kind in dem Moment auch die Sicherheit das alles okay und gut ist.

Geschwisterbeziehung fördern:

Es ist einfach wunderbar zu erleben wie die Familie wächst und die Geschwister das neue Baby mit empfangen dürfen. Schon in der Schwangerschaft war bei uns die Geschwisterbeziehung sooo niedlich – mein Bauch wurde ständig gekuschelt und geküsst.  Da ich unseren Sohn damals noch gestillt habe, kuschelten wir eh noch sehr oft und somit hatte er auch oft die Chance die Bewegungen vom Baby zu spüren, was ihn jedes Mal sehr erfreute. Schon in der Schwangerschaft konnten die zwei somit eine enge Geschwisterbeziehung aufbauen – sie waren sich oft sooo nah, das war einfach wunderbar zu beobachten.  Außerdem hatten wir ein Hörrohr aus Holz* zu Hause, mit dem wir oft gemeinsam die Herztöne gehört haben, das kann ich nur empfehlen!

Unser neues Baby kam nicht als Rivale in die Familie, es gibt keinen Grund zur Eifersucht, es stellt keine Konkurrenz dar. Das Baby ist eine Bereicherung für uns alle, auch für unseren Sohn, denn er wurde und wird nicht ausgeschlossen aus dem Familienclan. In keinster Weise. Er weiß wo das Baby her kommt und wie es dazu kam und hat nicht das (unbewusste) Gefühl, das sein Revier neu besetzt wurde als er gerade nicht anwesend war. ;)

“Die Gründe, die dafür sprechen, das große Geschwisterkind bei der Geburt dabei zu haben, sehe ich darin, dass es für meine Tochter ganz selbstverständlich ist, wo das Baby her kommt. Ich muss ihr nichts vom Storch erzählen. Sie hatte von Anfang an einen großen Beschützerinstinkt  und ist nicht eifersüchtig, auf ihre Schwester.  Außerdem hoffe ich natürlich, dass sie vieles für ihre eigenen Geburten mitnimmt. Klar ist sie noch sehr jung, aber ich denke doch, dass sie diese Erfahrung nachdrücklich positiv geprägt hat.”
(Zitat von Laura auf walgesangmitstorchenbiss.de)

Die ersten Minuten einer neuen Familie, ein zauberhafter Moment:

Durch die Erfahrung bei dieser Geburt, war es für uns dann selbstverständlich, dass unser Sohn und unsere Tochter auch bei meiner dritten Geburt dabei sein durften.

Unser Sohn war zu dem Zeitpunkt dann 4,8 Jahre und unsere Tochter 2,3 Jahre alt und es war einfach nur ein zauberhaftes und wunderbares Erlebnis. Dadurch, dass unsere Hebamme ungeplanter Weise etwas zu spät kam, konnten wir die Geburt unseres dritten Babys als völlig natürliches und privates Familienerlebnis erleben. Ich gebe zu, in den letzten Minuten habe ich mir meine Hebamme herbei gewünscht (*lach*), aber die ersten Lebensminuten unseres Babys in absoluter Privatsphäre zu genießen, war das wunderbarste und herrlichste überhaupt!  Die Kinder waren völlig verzaubert und ich spürte einfach nur unglaubliche Freude aus ihren euphorischen Worten, die sie immer wieder unserer Hebamme zuriefen, als diese dann eintraf: “Das Baby ist schon da!”

Unsere Hebamme, eine Vertrauensperson:

Da wir unsere Hebamme schon während der Schwangerschaft bei den Vorsorgeuntersuchungen ausgiebig kennen lernten, war sie für unsere Kinder eine absolute Vertrauensperson bzw. eine geliebte “Ersatzoma”. Es war klar; die Hebamme hilft uns, sie kennt sich aus und ist unsere Freundin. Wir stehen in Beziehung zu ihr und dies ist, so glaube ich, für die Kinder sehr wichtig. Denn warum sollte man jemand fremdes (Arzt etc.) an diesem privaten natürlichen Erlebnis teilhaben lassen?

Ein neues Baby ist da:

Und noch etwas zum Schluss: Ein Baby ist zwar klein und zart, aber es ist dennoch sehr robust. Darum braucht man nicht in Sorge sein, wenn die Geschwister das Baby (vielleicht noch etwas grob und ungeübt) Streichelt, oder Halten wollen. Auch braucht man nicht in Sorge sein wegen Bakterien und Krankheiten – immer vorher die Hände zu waschen oder sogar zu desinfizieren ist nicht notwendig (und gibt dem Geschwisterkind höchstens ein ablehnendes Gefühl zu seinem eigenen Körper). Das Baby ist schon in der Schwangerschaft ausreichend mit Antikörpern aus dem heimischen Zuhause versorgt worden und wird es auch nach der Geburt weiterhin durch die Muttermilch. :)

Außerdem ist es für die Geschwister wunderbar auch Verantwortung für das Baby zu übernehmen und wenn wir ihnen nichts verbieten, können sie eine viel innigere Beziehung zum neuen Geschwisterchen aufbauen, wodurch auch Eifersucht vorgebeugt wird.

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Natürlich müssen wir dem kleinen Nestling Schutz geben, wenn die Geschwister manchmal zu stürmisch und wild sind. Aber nicht umsonst sind unsere Menschenkinder Traglinge – im Tragetuch sind sie rund um die Uhr sicher aufgehoben. ;)

Genau hinschauen:

Für uns war und ist es die beste Entscheidung gewesen, unsere Kinder an den Geburten teilhaben zu lassen. Allerdings möchte ich das hier nicht verallgemeinern, dies war unser persönlicher Weg und muss nicht für jede Familie stimmig sein. Es gibt sicherlich Kinder, die nicht bei der Geburt anwesend sein wollen und das sollte dann natürlich akzeptiert werden. Jjedoch würde ich hier ganz genau hinschauen, was dahinter steckt. Ist es Angst und Unsicherheit, die man durch Gespräche und Aufklärung beseitigen kann? Oder ist es tatsächlich ein Uninteresse an der Sache an sich? Nur ihr kennt euch und euer Kind am besten!

Das Buch „Runas Geburt: Meine Schwester kommt zur Welt“*, ist hier übrigens noch heute eines der absoluten Lieblingsbücher. :)

Aber es gibt auch noch andere tolle Kinderbücher , die auf die Geburt vorbereiten:

Wie habt ihr eure Geburt(en) erlebt?
Waren eure Kinder dabei?
Wie habt ihr es empfunden?